Femundlopet 2011
Heikes 600 km langes Abenteuer durch Norwegens Bergwelt
Am 2. Februar 2011 startete ich mit 12 Hunden in das Abenteuer Femundlauf.
Schon anfangs lief es überhaupt nicht gut, gleich nach dem Start war die Spur grundlos tief mit tiefen Löchern, sogenannter Zuckerschnee. Es war warm und den Hunden hing die Zunge bis zum Boden, sie bekamen kaum Luft. Es ging langsam, sehr langsam vorwärts. In Tufsingdalen musste ich schon Tafi rausnehmen, sie war nicht gut drauf und kam kaum mit den anderen mit - das ist für sie überhaupt nicht normal, wir werden sie diese Woche mal gründlich vom Tierarzt untersuchen lassen. Die Etappe nach Drevsjö ging etwas besser, in der Nacht kam eine kühle Brise auf und die Spur war fester.

Einfahrt in den Checkpoint Grimsbu
Nach meinen geplanten 5 Stunden Pause starteten wir guter Dinge im Morgengrauen zur Etappe nach Sövollen. Doch die Freude war schnell vorbei, die Spur war mehlig weich, die dünne harte Schicht hatte nur die ersten Teams ausgehalten. Es wurde wieder warm und begann sogar leicht zu nieseln. Die Hunde fraßen so viel Schnee, dass es ihnen schlecht wurde und sie sich übergeben mussten. Ihr könnt euch ja vorstellen wie es in dem Moment mit meiner Motivation aussah. Mein schönes, schnelles, starkes Team hatte einfach keine Performance. In Sövollen war es den Hunden noch immer schlecht im Magen und sie frassen nicht gut. Nach 6 Stunden Pause ging es Richtung Tynset weiter. Diese Etappe war o.k., auch wenn ich einige Mal im Dunkeln die falsche Abzweigung genommen und Zeit verloren hatte.
Von Tynset ging es nach 4 Stunden weiter in Richtung Grimsbu. Diese Etappe wird mit 75 km angegeben, in Wirklichkeit beträgt diese Distanz aber ca. 90 km, laut GPS einiger Teilnehmer. Ich hatte in den 'Tourenmodus' geschaltet und lies die Hunde so dahin trotten. Sie hatten noch immer nicht ihre normale Stärke und Geschwindigkeit wiedererlangt.

Der Sturm zieht über die schlafenden Hunde hinweg
Wir hatten schon das Schild 'Welcome in Little Alaska' passiert, da ging die Spur nochmals hoch über die Baumgrenze. Wind kam auf, ich dachte noch, zum Glück bist du gerade nicht auf der Grimsbu-Runde. Plötzlich erwischte uns eine starke Windböe von vorne und die Hunde wichen seitlich aus und verließen die Spur. Ich musste Merckx nach hinten spannen und Bente kam neben Steels ins Lead. Vor uns tauchte ein Team auf, ein Norweger, Waling Magnus, der auch gerade seine Leithunde umspannen musste. Ich fuhr lustig an ihm vorbei, im Nachhinein hätte ich wohl lieber gewartet. Denn wir preschten eine kleine Abfahrt hinunter und dann kam wieder eine Windböe genau von vorne. Bente und Steels bogen nach links auf ein gefrorenes Flussbett. Markierungen sah ich keine mehr und ein Anhalten war unmöglich. Auch Magnus nahm den Weg ins Flussbett, wir rasten über die Eisschollen und Blankeis hinunter. Nach einem Kilometer kamen wir zum Halten und suchten Ewigkeiten nach dem richtigen Weg. Wir drehten die Teams - bei mir gab es natürlich wieder die meisten Wickler und Magnus erfahrener Leader fand mit der Nase am Boden die richtige Spur wieder. Völlig fertig erreichte ich mit beträchtlicher Verspätung den Checkpoint Grimsbu. Michi hatte sich große Sorgen gemacht, zumal ich ausgerechnet auf dieser Etappe das Handy im Auto vergessen hatte.
Wir beschlossen uns 7 Stunden Pause zu gönnen. Der Wind hatte in der Zwischenzeit zugenommen und ich musste die Hunde aus dem Triebschnee regelrecht ausgraben. Ich war gerade dabei, den nicht gerade begeisterten Hunden die Booties anzuziehen als einige Fahrer von der Grimsbu-Runde zurückkamen. Sie berichteten grauenvolles von der Tour: Der Wind hatte die komplette verharschte Schneedecke vom Boden gerissen und in die Luft gewirbelt. Der Trail führte teilweise nur über Blankeis und der Wind war so stark, dass es Hunde und Schlitten meterweise mitgerissen hatte. Außerdem seien die Markierungen weggeweht. Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, dass ich in diesem Moment - sowieso immer noch total übermüdet- nicht das gesteigerte Bedürfnis hatte, hoch ins Fjäll zu fahren. Michi und ich beschlossen zu warten bis der Sturm nach lies.
Glücklich im Ziel
In der Nacht wachte ich mit einem richtig schlechten Gefühl auf und fühlte mich total mies, dass ich mich dem Sturm nicht gestellt hatte. Ich stand auf und erfuhr im Checkpoint, dass es einige Fahrer geschafft hatten. Also nichts wie raus, nochmals die Hunde füttern und los. Der Wind heulte zwar noch immer furchterregend, aber es war sicher nicht mehr so schlimm wie mitten in der Nacht. Ich konzentrierte mich und versuchte den Hunden ruhige und klare Befehle zu geben. Man braucht gute und erfahrene Leader, keine Frage, aber genauso wichtig ist der Mensch, der besonnen und ruhig die Hunde durch den Sturm führen muss. Auf der vorigen Etappe war ich einfach nicht gut gewesen, im Kopf schon im Checkpoint angekommen, hatte ich nicht die mentale Kraft souverän mit der schwierigen Situation umzugehen. Jetzt aber klappte es gut und ich jubelte innerlich, als ich merkte, dass Bente und Steels genau meinen Befehlen folgten. Als es richtig brutal wurde mit dem Wind, legte Bente die Ohren an und lief was das Zeugs hielt. In irrem Tempo fetzten wir den Berg hinauf. Die Markierungen waren sehr dürftig, aber ich konnte immer irgendwo in der Ferne noch einen Reflexmarker aufblitzen sehen. Ohne einmal anzuhalten kamen wir oben am Pass an und waren bald wieder an der Baumgrenze angekommen. Bald darauf gab mir Bente zu verstehen, dass ihr Job jetzt erledigt sei und doch bitte schön wieder Merckx vorne laufen sollte.
Im Checkpoint war es ruhig geworden, viele Teilnehmer, die ungefähr wie ich platziert waren, hatten das Rennen aufgegeben und so fand ich mich plötzlich ziemlich am Schluss der Ergebnisliste wieder. Aber das war nun auch nicht mehr zu ändern und nach genau 6 Stunden Pause ging es weiter nach Tolga. Diese Etappe sollte für mich sehr schwierig werden. Es wurde schon wieder Nacht und ich war nun sehr sehr müde. Anfangs war es wunderschön im Halbdunkel alleine über das Fjäll zu reisen, ich war von den Eindrücken überwältigt und wollte in dem Moment nichts lieber in der Welt machen als hier auf dem Schlitten zu stehen.
Dann kam eine ewig lange Abfahrt und ich wurde unendlich müde. Die Hunde rannten gut, so kam es mir jedenfalls vor. Endlich erreichten wir das Tal von Tynset. Der Trail war nun knüppelhart und in irrem Tempo rasten wir über die Strecke, die teilweise auf geräumten Straßen und in 90 Grad Kurven unter Brücken führte. Dann kamen wir zum Checkpoint Tynset, der mittlerweile gespenstisch leer geräumt - denn man musste bis Tolga weiterfahren- aber noch immer hell erleuchtet war. Ich hatte Maya und Steels im Lead, die alles gaben und in der Hoffnung auf Stroh und Futter durch den Checkpoint rasten. Aber kein Michi, der auf sie wartete, kein Stroh, nix. Die Enttäuschung muss groß gewesen sein, denn nach einigen hundert Metern hielten die Hunde an und verlangten eine Checkpointpause. Zukünftig müssen wir wohl öfters das Vorbeifahren am Haus üben, denn körperlich waren die Hunde fit, es war ein reines 'Kopfproblem'. Also wieder eine Etappe mit recht schlechter Zeit, aber das war nun ja auch vollends egal. Wir kämpften uns in den letzten Checkpoint Tolga und von nun an zählte nur noch das Ankommen in Röros und eine hoffentlich gute letzte Etappe.
Da sich Merckx, Tom und Wese einen Magen-Darm-Virus zugezogen hatten und nichts gefressen hatten, durften diese drei mit dem Auto nach Röros fahren und ich zog mit meinen verbliebenen sieben Kämpfern los auf die letzte Etappe. Der Start war noch nicht so glorreich aber dann übernahmen Bente und Rudi die Initiative und brachten uns in richtig guter Zeit zurück nach Röros. Die Berge und die Langlaufloipe am Schluss waren absolut kein Problem. Mit Tränen in den Augen näherten wir uns Röros und es war ein überwältigendes Gefühl nach so vielen Schwierigkeiten doch noch das Ziel zu erreichen.